Xenoblade Chronicles 2 Test: Ein fantastischer Jahresabschluss

Gepostet am von zediron
Knapp bekleidet und mit einem √ľbergro√üen Schwert bewaffnet? Xenoblade Chronicles 2 sieht aus wie ein typischer Anime, ein japanischer Zeichentrickfilm. Dahinter verbirgt sich ein Rollenspiel-Koloss.

Knapp bekleidet und mit einem √ľbergro√üen Schwert bewaffnet? Xenoblade Chronicles 2 sieht im Test aus wie ein typischer Anime, ein japanischer Zeichentrickfilm. Dahinter verbirgt sich ein Rollenspiel-Koloss.

 

Xenoblade Chronicles 2 Test: Ein fantastischer Jahresabschluss

Die Nintendo Switch hat ein bemerkenswertes Jahr hinter sich. Nintendo schickt sich jetzt an, auch Fans von klassischen JRPGs gl√ľcklich zu machen. Das gelingt: Xenoblade Chronicles 2.

Eine Welt im Wolkenmeer. Nur unterbrochen vom Weltenbaum, auf dessen Krone Elysium liegt, das Paradies, aus dem die Menschen einst stammten. Riesige Titanen fliegen durch die Wolken, bieten auf ihren R√ľcken Platz f√ľr Menschen und Tiere. Eine klassische Erde, auf der Menschen wandeln, gibt es nicht. Es gibt nur die Titanen, die den Menschen halbwegs festen Boden unter den F√ľ√üen bieten. Und die Titanen sterben.

Klingt etwas abgedreht? Ist dennoch die Ausgangslage von Xenoblade Chronicles, dem aktuellen Japano-Rollenspiel (JPRG) f√ľr die Nintendo Switch. Entwickelt wurde das Spiel von Monolith Soft (Pikmin 3, Zelda: Breath of the Wild), vertrieben wird es von Nintendo, die naturgem√§√ü ein besonderes Interesse haben, dass die Qualit√§t des exklusiven Spiels f√ľr die Nintendo Switch so hoch wie m√∂glich ist. K√∂nnen die Japaner beruhigt sein? Aber sicher – Xenolade Chronicles 2 ist ein famoses Mammut-Rollenspiel, das an kalten Winterabenden f√ľr viele bezaubernde Stunden in eine fantastische Welt entf√ľhrt.

Die sieht erst mal unspektakul√§r aus. Wer schon mal aus dem Fenster eines Flugzeugs auf eine Wolkendecke heruntergeschaut hat, kann sich die ersten optischen Ber√ľhrungspunkte mit dem Xenoblade Chronicles vorstellen. Die Welt erscheint √∂de. Sie ist es auch im Sinne einer Ein√∂de, in der Geld und Ressourcen knapp sind und viele Menschen dem drohenden Aus ihrer Existenz entgegenblicken. Wo leben, wenn die Erde stirbt? Es mag kein Zufall sein, dass sich in Zeiten des Klimawandels auch die Menschen in Xenoblade Chronicles 2 die Frage stellen m√ľssen, wie sie weiter existieren sollen, wenn die Titanen, ihre Erde, stirbt. Den Untergang vor Augen, verschlechtert sich auch das Klima zwischen den gro√üen Reichen, die sich auf gigantischen Titanen angesiedelt haben. Es wird rau in der Welt.

Das gro√üe weltumspannende Geschehen ist Rex erst mal ziemlich egal. Unser Protagonist ist Wolkentaucher, er verdient sein Geld mit der Suche nach Sch√§tzen, die sich unter der Wolkendecke befinden, die sich wie eine nicht endende Gischt √ľber dem Meer erstreckt. Er wohnt auf seinem kleinen Privattitan, Gramps, auf dem genug Platz f√ľr ein kleines Zelt und die Ausr√ľstung von Rex ist. Das Geld ist knapp. Und wird noch knapper, weil unser Protagonist einen Teil seines Arbeitslohns an seine Familie schickt, damit die Heimatgebliebenen √ľberleben k√∂nnen. Als sich ein Auftrag ergibt, der nicht nur Rex, sondern auch seine Familie f√ľr lange Zeit √ľber Wasser halten w√ľrde, z√∂gert der hilfsbereite Zw√∂lfj√§hrige nicht lange. Was er nicht wei√ü, der Auftrag ist gef√§hrlich, seine Auftraggeber windig, sie wollen Pyra bergen, eine junge Frau, die auf dem Meeresgrund in einem Tiefschlaf liegt. Ein ungl√ľckliches Ereignis sp√§ter verbinden sich die Seelen von Rex und Pyra. Die Auftraggeber sind sauer, Rex und Pyra kurze Zeit sp√§ter alleine – zumindest erst einmal.

Es ist eine beeindruckende Schwere, die auf der Geschichte von Xenoblade Chronicles 2 liegt. Es sind die gro√üen existenziellen Fragen, die das Spiel seinen Protagonisten gegen√ľber aufwirft – und die gehen bisweilen ungeheuer leichtfertig damit um. Das rutscht manchmal ins Platte ab (‚ÄěWie alt bist du? Zw√∂lf? Oh Gott, du bist wirklich zw√∂lf‚ÄĚ). Man kann diese humoristischen Ausfl√ľge m√∂gen, man kann sie aber auch sehr berechtigt unpassend finden. Auch an anderer Stelle wirft das Spiel Kritikpunkte auf. Die ausschlie√ülich englische Synchronisation wirkt nicht immer passend. Ausgerechnet Rex’ Sprecher klingt, als sei er eher 40 als zw√∂lf Jahre alt. Auch technisch macht das Spiel nicht alles richtig. Im Switch-eigenen Handheld-Modus wird das Spiel ziemlich pixelig aufgel√∂st. Offenbar ein technischer Kompromiss, um das Gewusel auf dem Bildschirm noch fl√ľssig dazustellen.

Das wird vor allem in den K√§mpfen wuselig. In unserer Gruppe haben wir Platz f√ľr vier Charaktere, wir steuern allerdings nur einen. Standardm√§√üig ist das Rex, aber nat√ľrlich l√§sst sich der Charakter wechseln. Das Kampfsystem ist actionorientiert, alle Charaktere hauen gleichzeitig auf die Gegner ein. Diverse Mechaniken sorgen f√ľr einen reibungslosen Ablauf. Es gibt beispielsweise Charaktere, die leicht die Aufmerksamkeit der Monstrosit√§ten auf sich lenken k√∂nnen und √ľber ausreichend R√ľstung verf√ľgen, um auch schwere Attacken gut zu √ľberstehen. Der Standardschlag l√§uft automatisch, im Blick haben m√ľssen wir als Spieler vor allem unsere Spezialf√§higkeiten. Balken laden sich w√§hrend des Gefechts auf und signalisieren, ob ein Angriff verf√ľgbar ist oder wir uns noch in Geduld √ľben m√ľssen. Das klingt nach nicht allzu viel Stress, aber da viele Attacken auch abh√§ngig von unserer Position zum Gegner sind, m√ľssen wir dem Spiel dennoch unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.

Das hat das Spiel ohnehin verdient. Die gesamte Welt ist riesig, vollgepackt mit verstecken Sch√§tzen oder kleineren Nebenaufgaben – und eben der d√ľsteren Geschichte, die auch ein Zeugnis √ľber den Wert von Freundschaft ist. Das l√§sst sich am besten an kalten Winterabenden genie√üen.

Fazit:¬†Nintendo schlie√üt sein erstes ‚ÄěSwitch-Jahr‚ÄĚ fantastisch ab. Im besten Wortsinne.

Mein Xenoblade Chronicles 2 Test ist am 9. Dezember 2017 im Sonntagsblatt der Emder Zeitung erschienen.

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