Gamescom 2017: Merkel besucht das digitale Wunderland

Gepostet am von zediron
Die besucherstärkste Videospielmesse der Welt, die Gamescom, findet seit Dienstag in Köln statt. Zur Eröffnung kam Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die besucherstärkste Videospielmesse der Welt, die Gamescom, findet seit Dienstag in Köln statt. Zur Eröffnung kam Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).                                                               Bild: Koelnmesse

 

Gamescom 2017: Merkel besucht das digitale Wunderland

Rund 350 000 Besucher haben die besucherstärkste Videospielmesse der Welt besucht Bei den Games überzeugten vor allem hochkarätige Nachfolger.

Seit Jahren buhlt die deutsche Videospielindustrie um politische und gesellschaftliche Wertschätzung. Eines der bisher größten Signale hat die deutsche Spitzenpolitik am vergangenen Dienstag gesendet: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnete die besucherstärkste Videospielmesse der Welt, die Gamescom in Köln. „Computer- und Videospiele sind als Kulturgut, als Innovationsmotor und als Wirtschaftsfaktor von allergrößter Bedeutung”, sagte die Kanzlerin in ihrer Eröffnungsrede.

Die Zahlen unterstützen Merkels These. Videospiele haben in Deutschland im ersten Halbjahr 2017 einen Umsatz von 1,08 Milliarden Euro erwirtschaftet – ein Plus von elf Prozent gegenüber 2016. Die deutsche Videospielindustrie hingegen hinkt dem Interesse der Verbraucher noch deutlich hinterher. Obwohl mit „The Surge” (Deck 13) oder „Shadow Tactics (Mimimi Productions) durchaus der eine oder andere Hochkaräter aus deutschen Gefilden ein internationales Publikum findet, gilt das für ein Großteil der hiesigen Entwicklungen noch nicht. Einen Grund, den die Industrie dafür angibt, sind die verhaltenen Förderprogramme der deutschen Bundespolitik, die sich mit dem deutschen Computerspielpreis erschöpft. Preisgeld: 40 000 Euro. Länder wie Frankreich und Polen haben mithilfe umfangreicher wirtschaftlicher Förderungen hingegen große Studios aufgebaut. Die Früchte: In Frankreich sitzt mit Ubisoft („Assassin’s Creed”) einer der größten Spieleverlage der Welt. In Polen hat der Entwickler CD Project Red mit „The Witcher 3” im Jahr 2015 einen modernen Rollenspielklassiker kreiert. Dagegen sehen die Erzeugnisse der deutschen Industrie blass aus. Kein Wunder also, dass die beiden großen deutschen Branchenverbände BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltung) und GAME seit Jahren für politische Unterstützung trommeln.

Über Höhe und Ausgestaltung zusätzlicher Förderprogramme des Bundes machte Merkel keine Angaben. Auch in den Wahlprogrammen der Parteien lassen sich nur vereinzelte Sätze zur Videospielindustrie finden. CDU/CSU schreiben etwa, dass Filmschaffende in Deutschland gestärkt werden sollten. Sie sind „wertvoll als Wirtschaftsprodukt und Kulturgut.” Ähnliches gelte auch für die Videospielindustrie. Die SPD wird etwas konkreter. Im Wahlprogramm heißt es, die Sozialdemokraten wollten die Entwicklung innovativer und kulturell wertvoller Computer- und Videospiele fördern. Was allerdings als „kulturell wertvoll” bezeichnet wird, bleibt offen. Den Verdacht, die Messe einzig für den Wahlkampf genutzt zu haben, konnte Merkel so nicht ausräumen.

Was soll’s. Für die knapp 350 000 Besucher, die bis einschließlich heute über das 284 000 Quadratmeter große Messegelände in Köln streifen, dürften die Interessen von Industrie und Politik nachrangige Bedeutung haben. Wichtiger sind die Games. Dafür sind Vollblutfans bereit, einiges in Kauf zu nehmen. Die Schlange für das nächste Mario-Abenteuer, Super Mario Odyseey, nahm bereits am Mittwoch langatmige Ausmaße an. „Ab hier noch 220 Minuten Wartezeit” zeigte ein Schild an, unter dem sich ausdauernde Fans angestellt hatten. Die Schlangen bei anderen Hochkarätern wie Assassin’s Creed: Origins, Far Cry 5 und Star Wars Battlefront 2 waren ähnlich. Als dann noch Anno 1800 (Blue Byte / Ubisoft) und Age of Empires IV (Microsoft) angekündigt wurden, waren viele Fans zufrieden mit ihrer Industrie.

Mein Artikel ist am 26. August im Sonntagsblatt der Emder Zeitung erschienen.

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