Die drei Fragezeichen und die Gag-Granaten

Gepostet am von zediron
Auf der Spur des Geistes: Auf der Bühne sind neben Peter, Bob und einigen Männern noch drei mannsgroße Handpuppen. Gemeinsam beschließen die Mitglieder des Vollplaybacktheaters das mysteriöse Haus zu betreten.

Auf der Spur des Geistes: Auf der Bühne sind neben Peter, Bob und einigen Männern noch drei mannsgroße Handpuppen. Gemeinsam beschließen die Mitglieder des Vollplaybacktheaters das mysteriöse Haus zu betreten.

 

Die drei Fragezeichen und die Gag-Granaten

Das Wuppertaler Vollplaybacktheater spielte in der Auricher Stadthalle. Die Zuschauer bekamen eine packende Revue voller Versatzstücke der Pop-Kultur.

Ein grüner Geist, ein mysteriöser Chinese methusalemschen Alters, eine lebensverlängernde Perlenkette, dazwischen drei kalifornische Juniordetektive – und Geisterjäger John Sinclair. Insider wissen bereits, was gemeint ist: Das Vollplaybacktheater gastierte in der ausverkauften Auricher Stadthalle und präsentierte „Die drei Fragezeichen und der grüne Geist” .

Die Hörspiele der drei Fragezeichen gehören seit den 1980er Jahren in die Grundausstattung ordentlich eingerichteter Kinderzimmer. Dort sind sie aber nicht geblieben, fast vierzig Jahre nach Erscheinen der ersten sechs Episoden im Jahre 1979 verfolgen viele ehemalige Kinder die Abenteuer von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews weiterhin. Inzwischen hat es die Hörspielreihe auf stolze 186 Folgen gebracht, mehr als 46 Millionen Tonträger verkaufte das Hörspiellabel Europa. Episode acht ist „Die drei Fragezeichen und der grüne Geist”, eben jene Folge, die das Wuppertaler Vollplaybacktheater auf die Bühne der Auricher Stadthalle gebracht hat.

Dafür sprechen die sechs Schauspieler des Vollplaybacktheater-Ensembles kein Wort selber. Stattdessen läuft ein rund hundertzwanzigminütiges Hörspiel, bestehend aus dem etwa fünfzigminütigen Original, Ausschnitten zahlreicher anderer Hörspiele, aber auch Versatzstücken aus Filmen, Liedern oder Werbespots. Altem haucht das Vollplaybacktheater neues Leben ein. Das vermeintlich ernste Original wird durch alberne Grimassen und skurrile Bekleidung der Schauspieler vor bewusst billig gestalteten Kulissen konterkariert.

Das Ergebnis beginnt mit einem Stolpern. Peter, Bob und ihr gleichaltriger Freund Chang stürzen auf die Auricher Bühne, verfolgt von Jensen, einem skrupellosen Handlanger, der im gelben Hemd und brauner Weste aussieht wie Lucky Luke. Er hebt seinen Revolver, schießt eine flaschengroße Kugel auf die drei Jugendlichen, die dem Geschoss in Zeitlupe ausweichen. Es folgen grünes Licht, schwarze Sonnenbrillen, Rauchschwaden, grüne Schriftzeichen rasen die Leinwand herunter und wildes Blitzlichtgewitter prasselt im Stakkato auf die mehr als 500 Besucher ein, während die vier Schauspieler in Zeitlupe Kung-Fu-Schläge imitieren. Die Anspielung an die legendäre „Matrix”-Filmtrilogie ist fester Bestandteil des Vollplayback-Hörspiel-Puzzles. Das Vollplaybacktheater hat seine erste Szene, das Publikum seinen ersten Höhepunkt.

Nach der Szene springt die Geschichte 36 Stunden in die Vergangenheit. Peter und Bob laufen im kalifornischen Küstenstädchen Rocky Beach am Hause des verstorbenen Matthias Green vorbei. Ein mysteriöser Schrei ertönt. Sechs oder sieben Männer mit Taschenlampen und „einem Hund, der so klein ist, dass ich ihn auf dem Arm tragen muss”, hören den Schrei ebenfalls. Auf der Bühne sind das neben Peter und Bob und einigen Männern noch drei mannsgroße Handpuppen. Gemeinsam beschließen die Erwachsenen und die beiden Jungen, das mysteriöse Haus zu betreten und der Ursache des Schreis auf den Grund zu gehen. Der namensgebende grüne Geist erscheint, ein schauerliches Überbleibsel des Verstorbenen. Zukünftig wird er nicht nur in Rocky Beach, sondern auch auf einem Weingut in Verdant Valley spucken. Es gehört Lydia Greene, einer entfernten Verwandten des Verstorbenen. Ist sie Schuld am Entstehen des Geistes?

Kenner des Original-Hörspiels kennen diesen Ablauf. Das Vollplaybacktheater hält sich bis dahin an den originalen Ablauf der ursprünglichen Geschichte. Auch das Peter und Bob anschließend nach Verdant Valley in die Nähe von San Francisco fliegen, während der erste Detektiv Justus Jonas vermeintlich zu Hause bleiben muss, bleibt gleich. Dann beginnt sich die Geschichte allerdings zu ändern. Justus Jonas bekommt Besuch vom Geisterjäger John Sinclair, dessen Grusel-Hefte und Hörspiele vielen Anwesenden des altersmäßig bunt gemischten Publikums bekannt sein dürften. Sinclair bringt Justus nicht nur als Running Gag der Revue seinen albernen Geisterjäger-Gang bei („Den rechten Fuß vor. Das linke Bein nachziehen.”), sondern nimmt ihn auch mit auf Geisterjagd ins Verdant Valley.

Ein munteres Schauspiel beginnt, in dessen Ablauf noch Michael Jackson, Batman, Hannibal Lector, der Drache Smaug oder Meister Yoda Kurzauftritte absolvieren. Freilich zündet nicht jeder Gag, auch der Handlung dürfte ohne Kenntnis des Hörspiel-Originals nur schwer zu folgen sein, aber das tut der Begeisterung des Publikums keinen Abbruch.

Viele hier kennen das Vollplaybacktheater, das bereits seit 20 Jahren mit ihren schrägen Slapstick-Darbietungen durch die Republik tingelt. Erstbesucher lassen sich anstecken und nehmen das Bühnengeschehen, das so anders ist, als es viele erwarten dürften, einfach hin. Es braucht wenig hellseherische Fähigkeiten, um nach dem minutenlangen Dauerapplaus am Ende der Veranstaltung, zu vermuten, dass das Vollplaybacktheater nicht zum letzten Mal in Aurich gewesen sein dürfte. Vielleicht steht der nächste Besuch bereits im kommenden Jahr an, für 2018 ist die Jubiläumstour des Ensembles geplant.

Mein Text ist am 15. April im Sonntagsblatt der Emder Zeitung erschienen.

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