Schulz-Hype schon vorbei? Eine Überlegung

Gepostet am von zediron
Muss er um seinen Hype bangen? Martin Schulz büßt wohl Prozentpunkte gegenüber Kanzlerin Angela Merkel ein.

Muss er um seinen Hype bangen? Martin Schulz büßt wohl Prozentpunkte gegenüber Kanzlerin Angela Merkel ein.                                                                                                                                 Bild: Berliner Zeitung

 

Schulz-Hype schon vorbei? Eine Überlegung

Der Abstand zwischen CDU/CSU und SPD wird wieder größer: Im stern-RTL-Wahltrend kann sich die Union im Vergleich zur Vorwoche um einen Prozentpunkt auf 34 Prozent verbessern, während die SPD einen verliert und auf 31 Prozent kommt.

 

Das sagt der Focus. Ist damit der Hype um SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz schon wieder vorbei? Nun ist der Focus ein traditionell konservatives Blatt und hat an einem zu starken Hype um Martin Schulz wohl mutmaßlich wenig Interesse. Aber überlegen wir einfach mal gemeinsam, ob die Begeisterung für den Sozialdemokraten tatsächlich bereits nachlässt – und warum das so sein könnte…

 

Schulz fehlen konkrete Inhalte

Klare Sache und keine neue Erkenntnis, ich weiß. Wirklich konkret greifbares hat Martin Schulz bisher vermissen lassen. Viel Gerede über Gerechtigkeit. Ganz nett, aber “Gerechtigkeit” ist natürlich etwas sehr subjektives. Beim Bezahlen an der Kasse haben die Verkäufer und ich wohl jeweils sehr unterschiedliche Vorstellungen, ob der Preis nun “gerecht” ist, oder nicht. Entsprechend kann sich auch meine Einschätzung über Gerechtigkeit und Fairness von dem Empfinden des Sozialdemokratens sehr unterscheiden. Halten wir fest: Klingt gut, aber undurchsichtiger als jede Nebelwand über ostfriesischen Maisfeldern.

Immerhin längeres Arbeitslosengeld hat der Kanzlerkandidat als Ziel durchgegeben. Bis zu vier Jahre sollen Arbeitslose zukünftig von Hartz IV verschont bleiben. Ist eine Forderung, die zur Gerechtigkeitslücke passt. Aber jetzt auch weit weg von einer Revolution. Und sie hilft vor allem einer typischen “Arbeiter Mitte 55”-Kernklientel der SPD. Das hat sie übrigens mit der Rente ab 63  gemeinsam. Auch diese Forderung aus dem vergangenen Bundestagswahlkampf war eine Forderung für typische SPD-Wähler.

Die aktuelle Forderung hat darüber hinaus noch ein Problem: Sie hilft kaum. Jemand, der im Alter von Anfang bis Mitte 50 seinen Job verliert und keinen neuen findet, fällt auch bei vier Jahren vergeblicher Suche auf Hartz-IV-Niveau – und muss an seine Reserven.

Jemand in meinem Alter darf erst gar keine vier Jahre arbeitslos sein, um bei potenziellen Arbeitgebern nicht vollkommen uninteressant zu werden. Zumal auch ein Jahr Arbeitslosigkeit durchaus ein Zeitraum ist, indem man a) ein paar Bewerbungen schreiben und b) sich auch durchaus umfassende Gedanken über einen Plan B machen, also entscheiden kann, welche Fördermöglichkeit der Arbeitsagentur infrage kommt. Sei es eine Selbstständigkeit, eine Fortbildung, eine Umschulung etc.

Fassen wir zusammen: Längeres Arbeitslosengeld läuft klassisch unter “ganz nett”. Aber immerhin: Längeres Arbeitslosengeld ist zumindest eine Forderung mehr als die CDU bisher gebracht hat.

 

Schulz spricht die falsche Klientel an

Ein zweites Problem des SPD-Kandidaten, für das man genauer hingucken muss. Der Hype um den Sozialdemokraten speist sich vor allem aus der Jugend. Natürlich sind Stimmen jüngerer Wähler formell so viel wert wie Stimmen älterer – zumal bei jüngeren Wähler die SPD bisher eher unter ferner liefen lief. Das tut die CDU allerdings auch. Junge Wähler, die sonst vielleicht eher grün oder links gewählt hätten, wählen nun Schulz.

Das hilft bei Rot-Rot-Grünen-Koalitionsverhandlungen, es bringt die SPD aber erst mal nicht näher an einen Wahlsieg. Stimmen, die innerhalb dieses Bündnisses wechseln, sind schließlich keine Mehrstimmen. Für einen tatsächlichen Kanzler Schulz würden die Stimmen also nur bei einer Neuauflage der Großen Koalition einen Mehrwert einbringen.

Wäre auch nicht der Kracher. Ob Rot-Schwarz oder Schwarz-Rot… Das fühlt sich jetzt nicht nach Veränderung und Aufbruch in ein neues Zeitalter an…

Na ja, was meint Ihr? Lässt der Schulz-Hype wirklich nach? Und wenn ja, warum könnte das der Fall sein?

 

Focus (Achtung: Es öffnet sich eines dieser grässlichen, viel zu lauten Focus-Videos, wegen derer ich die Seite eigentlich meide)

 

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