Verlassen: Meine Familie ist weg

Gepostet am von zediron
Allein in der Pampa: So laufe ich zurzeit durchs Leben.

Allein in der Pampa: So verlassen laufe ich zurzeit durchs Leben.

Allein und verlassen

Es ist still, wenn ich abends die Wohnung betrete. Es ist still, wenn ich die Wohnung morgens verlasse. Abends grüß ich die Leere, morgens verabschiede ich die Leere. Meine Freundin und mein dreijähriger Sohn sind weg. Ich bin allein.

Seit sechs Tagen bin ich Strohwitwer. So heißen Männer, deren Freundinnen für eine gewisse Zeit die Biege gemacht haben. Quasi Singles auf Zeit. Leider sind manche Möglichkeiten, die ein Singleleben durchaus reizvoll machen können, als Strohwitwer Tabu. Mist.

Aber manche Möglichkeiten hat ein Leben als Strohwitwer eben doch. Zum Beispiel hemmungsloses Ausschlafen. Ich liege gerne mit dem Wissen, das der Wecker nicht klingeln wird, im Bett. Das ist ein Privileg. Früher konnte ich dieses Privileg jedes Wochenende genießen. Eine herrliche Zeit. Heute ist das anders. Heute kräht mein Sohn zu nachtschlafenden Stunden (6.30 Uhr) sein unerbittliches „Papa, aufstehen“. Reagiere ich nicht, was Standard ist, wird er rabiat. Dann zieht er mir die Decke vom Körper. Ich versuche, die Störungen zu ignorieren. Hoffe auf seine Gnade. Er kennt keine. Manchmal wirft er mir gar ein Kuschelkissen ins Gesicht. Danach beginnt das Papa Programm. Kakao machen, Memory spielen, Bücher und Zeitschriften durchblättern. Das ist morgendlicher Standard am Samstag.

Den vergangenen Samstag war das anders. Kein Krähen. Keine weggezogene Decke. Kein Kuschelkissen. Kein Kakao. Wach war ich trotzdem früh. Gegen halb acht. Eine Stunde länger schlafen als sonst. Woah, ich habe es mächtig krachen lassen. Die innere Uhr ist ein Arschloch.

Danach konnte ich Fernsehen gucken. Was ich wollte. Wie lange ich wollte. Beat this, langweilige Historien-Dokus über die Geschichte des englischen Adelshauses. Ich guckte die sechste Staffel von Walking Dead. Alleine. Ein Vorteil, wenn man verlassen wird, man kann hemmungslos das Gucken, was man will. Irgendwie geil!

Dass ich die Zombie-Serie alleine gucken muss, ist Standard. Das tut dem Beziehungsleben gut. Meine Freundin findet keinen Gefallen an meinen Kommentaren über Carol. Meine Sprüche über die Oma, wie ich sie nenne, gerne auch abgewandelt als „die nutzlose Oma“ oder „Die alte Frau“, gingen ihr auf den nicht existenten Sack. Ich kann mir diese Kommentare aber auch nicht kneifen. Carol ging mir in den ersten Staffeln so auf den Sack. Das musste raus.

Etwas im Sack haben, was raus muss, ist problematisch, wenn man verlassen wurde. Das erlaubt das Leben eines Strohwitwers nicht. Da sind Singles privilegierter. Die müssen nur ein Gegenstück mit gleichem Interesse finden. Sollte handelbar sein.

Ich würde versuchen, mit Humor zu punkten. Schließlich kenne ich diesen einen Witz mit dem Hubschrauber. Der geht immer. Auch jetzt erzähle ich Witze. Es lacht halt keiner. Macht meine Freundin sonst aber auch nicht. Nicht alles ist anders, wenn man alleine ist.

RelatedPost

||||| 0 Gefällt mir |||||

Lass eine Antwort da