Vollplaybacktheater-Interview: “Bei uns gibt es einen echten grünen Geist”

Gepostet am von zediron
Gastierte in Aurich: Das Vollplaybacktheater mit "Die drei Fragezeichen und der grüne Geist". Ich habe mit Christoph Landwehr ein Interview geführt.

Gastierte in Aurich: Das Vollplaybacktheater mit “Die drei Fragezeichen und der grüne Geist”. Ich habe mit Christoph Landwehr ein Interview geführt.

 

Vollplaybacktheater-Interview: “Bei uns gibt es einen echten grünen Geist”

Das Vollplaybacktheater gastierte am Mittwoch, 12. April, mit „Die drei ??? und der grüne Geist” in der Stadthalle in Aurich. Das Auricher Sonntagsblatt hat mich gebeten, mit Christoph Landwehr vom Vollplaybacktheater über das Prinzip Vollplayback-Theater, die drei ??? und welche Hörspiel-Reihen er gerne auf die Bühne bringen würde zu sprechen.

Herr Landwehr, wie viel Text müssen Sie lernen?

Christoph Landwehr: Nicht besonders viel. Der Unterschied zum herkömmlichen Sprech-Theater ist, dass wir eben kein Wort auf der Bühne selber sprechen, sondern die Worte gesagt werden. Deswegen muss man den Text nicht ganz so strikt lernen, wie man das sonst aus dem Theater kennt.

Aber trotzdem muss man natürlich jedes Wort parat haben, wenn es aus der Box kommt. Das heißt, wir lernen nicht nur Text, sondern wir lernen auch jedes Atmen, jedes Räuspern, jedes Kichern. Nur eben nicht vom Blatt Papier, sondern wir hören uns das bei den Proben immer und immer wieder an, und irgendwann hat man das einfach drin.

Wie oft hören Sie die Folgen denn, während Sie proben?

Sehr oft. Natürlich nicht immer im ganzen Durchlauf, aber einzelne Szenen machen wir sehr sehr oft. Das ist dann wirklich so, dass einem der Ton in Fleisch und Blut übergeht. Wenn ich jetzt abends auf der Bühne stehe, muss ich über kein einziges Wort nachdenken, sondern es kommt einfach und mein Gesicht bewegt sich mit.

Wie erklären Sie das Konzept Vollplaybacktheater?

Im Prinzip muss man nur über das Wort genauer nachdenken. Wir spielen Vollplaybacktheater. Das heißt, der Ton kommt aus der Box und wir bewegen die Lippen dazu, sprechen selbst aber kein Wort. Das ist erst einmal die Grundidee vom Vollplaybacktheater.

Bei uns kommt noch dazu, dass wir die Zuschauer mitnehmen auf eine Art Zeitreise, ein gemeinsames Eintauchen in das popkulturelle Gedächtnis. Denn wir spielen nicht nur eine bloße Hörspielvorlage, sondern wir schneiden in diese Hörspielvorlage ganz viele Versatzstücke aus anderen Hörspielen, Filmen, Musik und Werbung rein, sodass sich eine neue Geschichte und neue Sinnzusammenhänge ergeben.

Wie ist überhaupt die Idee entstanden?

Das hat mit viel Hörspiel hören, mit Lust am Theaterspielen und mit einer gehörigen Portion Bier zu tun. Im grünen Geist geht es um eine mysteriöse Perlenkette und den namensgebenden grünen Geist.

Wie nah bleiben Sie an der ursprünglichen Geschichte?

Ein Grundelement unserer Interpretation der Geschichte ist, dass wir ein Hörspiel erst dann auf die Bühne bringen, wenn uns dazu noch eine extra Geschichte eingefallen ist. So ein Hörspiel dauert ungefähr eine dreiviertel Stunde, wir sind aber abends dann zwei Stunden auf der Bühne.

Da kann man sich vorstellen, wie viel wir da eigentlich noch reinschneiden. Natürlich verändert sich dann die Geschichte. Trotzdem ist es so, dass Leute, die die Hörspiel-Folge kennen, sie auch auf der Bühne wiedererkennen. Bei diesem Stück wohl auch mehr, als wir das bisher so hatten.

Gibt es einen besonderen Grund, dass Sie beim grünen Geist näher am Original bleiben?

Das liegt mehr an der Hörspiel-Folge selbst. Weil die im Vergleich zu anderen Folgen der drei ??? relativ stringend erzählt ist. Es gibt ja auch Folgen bei den drei ???, bei denen man sich nach dem Hören fragt: „Warum kam der Charakter eigentlich vor, wie passte das jetzt zusammen?” Das hängt dann häufig von der Umwandlung des Buch-Originals zum Hörspiel hin ab. Beim grünen Geist ist die Geschichte aber relativ einfach und wir haben die auch relativ einfach gelassen.

Der grüne Geist ist eine der wenigen drei-???-Folgen, in denen es tatsächlich inform der Perlenkette und der lebensverlängernden Wirkung der Perlen ein übernatürliches Phänomen gibt. Hat Sie das bei der Auswahl besonders gereizt?

Na ja, über die Frage, ob die Perlen eine übernatürliche Wirkung haben, gibt es bei den einschlägigen Fans geteilte Meinungen. Verlängern sie wirklich das Leben oder bildet sich der alte Chinese Won nur ein, dass sie sein Leben verlängern? Das bleibt Interpretationsspielraum. Ähnlich wie bei einer „Akte X”-Folge .

Aber natürlich ist es so, dass die Wirkung der Perlen übernatürlich herkommt. Ganz im Gegensatz zum grünen Geist, den gibt es natürlich nicht im Drei-???-Kosmos. Also nie und nimmer würde Justus Jonas (Erster Detektiv der drei ???, Anmerkung der Redaktion) hinterher sagen ‘Es gibt einen Geist’, sondern er beharrt immer auf seiner Meinung, dass es nichts Übernatürliches geben kann. Es muss eine logische Erklärung dahinter stecken – und das haben wir natürlich sofort aufgebrochen. Selbstverständlich gibt es bei uns einen echten grünen Geist.

Auf das Bergmonster müssen die Fans und Justus Jonas also nicht warten, um ein übernatürliches Wesen zu entdecken?

Nein, bei uns gibt es selbstverständlich einen Geist. Sogar mehrere. Bei uns gibt es aber auch die Geschichte um die Perlenkette, die das Leben verlängert und in unserer Version verlängert sie das Leben sogar noch weitaus länger .

Sie suchen sich bei den drei ??? fast immer die klassischen Folgen aus. Reizen Sie die neueren Stoffe nicht?

Na ja, es gibt verschiedene Gründe, warum wir die alten Folgen wählen. Der erste ist der Nostalgie-Gedanke, der für unsere Shows immer auch eine große Rolle spielt. Die Leute sitzen im Publikum und abgesehen von dem Hörspiel selbst, bekommen sie immer irgendwelche Zitate um die Ohren, die ihnen in diesem Moment wieder einfallen. Deswegen funktionieren die alten Folgen so gut. Weil viele unserer Zuschauer diese Folgen schon im Kindesalter gehört haben und das noch heute tun. Das wäre etwas anderes, wenn wir eine Folge nehmen würden, die erst im letzten Monat erschienen ist.

Bei den drei ??? ist es darüberhinaus auch noch so, dass die alten Geschichten ein wenig charmanter sind als die neuen. Haben wir zumindest das Gefühl. Wobei ich persönlich schon auch gerne mal eine neue Folge nehmen würde. Vielleicht machen wir das auch mal. Wobei es da noch das Problem mit den gealterten Stimmen der Sprecher gibt. Wenn wir viele Zitate aus früheren Folgen einbauen, unterscheiden sich die Stimmen der Sprecher dann auch entsprechend. Das könnte man nicht zu häufig machen.

Sie machen nicht nur die drei ???, sondern unter anderem auch John Sinclair, TKKG oder Hanni und Nanni. Gibt es noch andere Hörspiel-Reihen, die Sie reizen?

Gibt es definitiv. Wenn Sie jetzt uns sechs vom Vollplaybacktheater fragen würden, würden Sie wahrscheinlich sechs verschiedene Vorschläge bekommen, was wir gerne mal machen würden.

Ich frage aber nur einen. Wie sieht denn Ihr Vorschlag aus?

Es gibt wahnsinnig viele tolle Hörspielreihen oder einzelne Hörspiele, die wir super machen könnten, zum Beispiel Gabriel Burns, Offenbarung 23 oder Jan Tenner. Die waren bei uns schon oft im Gespräch. Wir müssen unsere Entscheidung aber auch vom Publikumsinteresse abhängig machen. Spielen wir etwas, was keiner kennt, kommt eben auch keiner – oder fast keiner.

Was immer ganz gut funktioniert: Dass wir diese Figuren in unserer Version eines TKKG- oder Drei-???-Hörspiels auftauchen lassen können. Das geht ja immer .

Welche Figuren tauchen denn beim grünen Geist auf?

Ich will jetzt nicht zu viel verraten. Aber wenn sich das Vollplaybacktheater die Folge „Der grüne Geist” aussucht, dann haben findige Zuschauer sofort bestimmte Assoziationen im Kopf, wenn es um Geistergeschichten geht. Da können dann bekannte Geister auftauchen, es können aber auch sehr bekannte Geisterjäger auftauchen.

Ansonsten schaut alles auf der Bühne vorbei, was die Leute so von früher oder aus der näheren Vergangenheit kennen. Zum Beispiel Batman oder Michael Jackson.

Mein Interview ist am 8. April im Sonntagsblatt der Emder Zeitung erschienen.

 

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2 Kommentare Tritt dem Gespräch bei

  1. Benjamin Herzog 4. May 2017 als 12:09 - Reply

    Moin, ich würde gerne eine DVD von “Der grüne Geist” von Euch der VPT -Thatergruppe haben….

    LG Benjamin Herzog, Eckernförde 015734523033

    • zediron 4. May 2017 als 19:12 - Reply

      Moin Herr Herzog. Das wird die Kollegen des VPT sicher freuen. Auch wenn mein Blog kein Organ der Theatergruppe ist, sondern nur mein privater Blog.

      Merchandise vom VPT findest Du hier: http://demonofmerchandising.de/

      Ob es allerdings Tour-DVDs gibt, bezweifel ich etwas. Bisher gab es noch nie welche. Mutmaßlich ist das Rechte-technisch ein Albtraum…

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