Mein neuer Job und ich: Wir fremdeln dann mal

Gepostet am von zediron
Zwischenfazit: Durchwachsen. Mein Job und ich sind noch nicht warm geworden.

Zwischenfazit: Durchwachsen. Mein Job und ich sind noch nicht warm geworden.

Ein neuer Job: Vorteile und Nachteile

Der Schreibtischstuhl drückt. Er ist unbequem. Ich bekomme Rückenschmerzen. Jeden. Tag. Etwa gegen 14 Uhr geht es los. Dann sitze ich bereits sechs Stunden in diesem Stuhl drin. Drei Stunden kommen dann noch. Ich ruckel und zuckel ständig hin und her in der vergeblichen Hoffnung, eine bequeme Position zu finden. Ich scheitere. Jeden. Tag.

Mein neuer Job und ich haben uns noch nicht aneinander gewöhnt. Seit dem ersten März bin ich “SEO Content Manager” bei einer Internetagentur, vorher war ich Redakteur bei einer Lokalzeitung. Dass ich meinen Job gewechselt habe, dürfte den meisten Lesern bekannt sein. Wenn nicht: Twitter-Follower wissen mehr. Mein Vertrag bei der Zeitung lief aus, eine Verlängerung stand aufgrund des Auflagendrucks nicht zur Debatte. Da kam das Angebot meines Ausbilders zu zarten Volontärszeiten gerade recht. Selbst, wenn mein Vertrag nicht ausgelaufen wäre, hätte ich über einen Wechsel nachdenken müssen. Mehr Geld, mehr Urlaub, kürzere Arbeitszeiten, Wochenenden frei – alles steht auf der Pro-Liste. Und die Arbeit selbst?

Eigentlich macht ein SEO Content Manager gar nicht so viel anderes als ein Redakteur. Beide schreiben. Das ist eine gewichtige Gemeinsamkeit. Der Unterschied: Redakteure schreiben für ihre Leser, SEO Content Manager für Google. Zumindest in erster Linie. Die Themen sind bei einem Redakteur interessanter. Zumindest, wenn man den Luxus hat, sich seine Themen aussuchen zu können. Das hatte ich zum größten Teil. Die Themen jetzt sind speziell: Wohnmobile, Rollos, deutsche Städte, hiesige Sehenswürdigkeiten. Keines davon inspiriert mich – Schreiben ist schnöder Broterwerb geworden.

Leider habe ich sonst kaum ein Talent. Zumindest keines, mit dem ich Geld verdienen könnte. Als Callboy wollte ich nicht arbeiten. Deswegen muss ich schreiben. Und Geld verdienen. Für mich. Für meine Freundin. Für meinen Sohn. Vor allem für ihn.

Eigentlich ist der SEO Content Manager vielfältiger als der reine Redakteur. Ich muss recherchieren, ich muss aufschreiben, ich muss veröffentlichen. Jetzt aber muss ich hinterher auch nachbereiten. Gucken, wie sich meine Seite im deutschlandweiten Ranking schlägt. Ob sie nach oben klettert, ob sie im Sumpf verharrt. Passiert das, habe ich meine Aufgabe nicht vernünftig absolviert. Zwischendurch schneide ich Videos für YouTube. Das kenn ich. Mache ich seit einem guten halben Jahr. Mein Hobby hat einen praktischen Nutzen für meine Arbeit.

Da sind Momente, in denen mir meine Arbeit Spaß macht. Dann aber merke ich wieder die Kälte im Büro. Keine sprichwörtliche. Die Heizung funktioniert noch nicht richtig. Es ist wirklich kalt. Der Komplex, in dem unsere Agentur ihre Räumlichkeiten hat, ist noch unfertig. Ständig fummeln Handwerker herum, montieren, schrauben, kappen die Internetleitung. Zum Schluss steht dann noch die Fahrzeit: 50 Minuten. Pro Fahrt. Alles nervig.

Jetzt habe ich meine ersten zwei Projekte bekommen. Zwei Kleine, aber immerhin. Für die bin ich verantwortlich. Mein Chef will erst in ein paar Monaten die Resultate sehen. Er vertraut mir. Wahrscheinlich, weil er weiß, dass ich da keinen Schaden anrichten kann. Das ist aber unerheblich, es vertreibt die Kälte der Langeweile, der Belanglosigkeit. Ich fühle mich besser, wenn ich

Verantwortung habe. Und ich bekomme einen neuen Bürostuhl. Bald…

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2 Kommentare Tritt dem Gespräch bei

  1. cokkroach 22. March 2016 als 19:16 - Reply

    Hallo, an alle die es lesen & Hallo, lieber Zedi!

    Vielen Dank für deine ehrlichen und mutigen Worte. Ich glaube mal, dass kaum jemand bereit wäre, so frei über die Vor- und Nachteile seiner Tätigkeit zu berichten.
    Wer für seine Familie arbeitet, weiß was alles auf dem Spiel steht und nimmt deshalb gerne mal lange Fahrzeiten und einen schlimmen Rücken hin. In Hamburg ist es ja kaum besser. Obwohl es hier eine wunderbare Anbindung und schnelle Erreichbarkeit dank zahlreicher öffentlicher Verkehrsmittel gibt, ist man trotzdem Ewigkeiten unterwegs. Ich habe auch immer eine Reise von einer Stunde vor mir. Ebenfalls pro Fahrt.
    Ein Tag hat viel zu wenige Stunden und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt Uralt anhöre (lese) – Ich wünsche mir manchmal die Schulzeit zurück. Als man um 14 Uhr Schluss hatte und noch Stunden mit Freunden unterwegs war und trotzdem war jeder Tag so unendlich lang. Nur Schade, dass man es nie ausreichend zu schätzen wusste.
    Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg in deinem neuen Job!

  2. Hans-Peter Heikens 23. March 2016 als 11:01 - Reply

    Hallo liebe Zedi-Gemeinde! Hier spricht der, der oben im Blogbeitrag den Spitznamen “Chef” trägt 😉

    Ich finde es gut, dass Zediron so ehrlich über seine ersten Tage berichtet. Klasse!

    Zum Thema Bürostuhl (es gibt gerade dazu auch einen aktuellen Twitter-Tweet): Das Problem ist behoben. Ich habe den SEO-Content-Manager statt in Google-Stellschrauben einfach mal in die Stellhebel am Bürostuhl eingewiesen. Jetzt kippelts sich beim Schreiben besser. Und dem Rücken hilft’s hoffentlich auch!

    Zum Thema Projekte:
    Zediron darf nun das “ausbügeln”, was ich in meinen SEO-Anfängen nocht nicht ganz so richtig gemacht habe. Sprich: Er kann zeigen, wie gut er die SEO-Stellschrauben schon beherrscht. Verbocken kann er da wirklich nichts, weil man Nichts nicht verbocken kann. Er wird an den beiden Projekten garantiert wachsen – davon bin ich fest überzeugt.

    Allen ein frohes Osterfest – der “Chef”

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